Band 7, Doppelheft 1 + 2, Oktober 2012, 224 Seiten

Der Zeitschrift Hypnose – Zeitschrift für Hypnose und Hypnotherapie (Hypnose-ZHH)

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Inhaltsangabe

  • Christina Bose, Burkhard Peter, Christoph Piesbergen, Melina Staudacher und Maria Hagl,
    Arbeitsprofile deutschsprachiger Anwender von Hypnose und Hypnotherapie
  • Burkhard Peter, Christina Bose, Christoph Piesbergen, Maria Hagl, und Dirk Revenstorf,
    Persönlichkeitsprofile deutschsprachiger Anwender von Hypnose und Hypnotherapie
  • Burkhard Peter, Maria Hagl, Alexandra Bazijan und Christoph Piesbergen
    Hypnotische Suggestibilität und Bindung
  • Melina Staudacher, Maria Hagl, Christoph Piesbergen und Burkhard Peter
    Sind Hypnotisierbarkeit und Bindung doch unkorreliert? Bericht über einen Replikationsversuch
  • Burkhard Peter, Philipp Schiebler, Christoph Piesbergen und Maria Hagl
    Elektromyographische Untersuchungen zur hypnotischen Armlevitation. Unterschiede zwischen willkürlichem Armheben und unwillkürlicher Armlevitation (Armlevitation 1)
  • Björn Riegel
    Aktuelle Befunde zur Wirksamkeit hypnotherapeutischer Raucherentwöhnung – Ein systematisches Literaturreview
  • Björn Riegel und Sven Tönnies
    Hypnotherapeutische Raucherentwöhnung in der ambulanten psychotherapeutischen Praxis: Eine Evaluationsstudie zur Wirksamkeit der SMOKEX-Methode
  • Bernd Schick
    „…wie wenn einer ständig schreiend antwortet.“ Zum Verhältnis von Hypnotherapie zu Allgemeiner Psychologie. Anlässlich Festschrift für Vladimir Gheorghiu, Hypnose-ZHH, 6(1+2), Oktober 2011. Ein Essay
  • Ulrich Freund
    Von der Kampfhypnose. Das Märchen „Die Stiefel von Büffelleder“ aus der Sammlung Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Ausgabe letzter Hand (KHM 199)
  • Stella Nkenke
    Selbsthypnose bei komplexem regionalem Schmerzsyndrom (CRPS). Ein Fallbericht

Abstracts & Download

Christina Bose, Burkhard Peter, Christoph Piesbergen, Melina Staudacher und Maria Hagl

Arbeitsprofile deutschsprachiger Anwender von Hypnose und Hypnotherapie
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 7-30

Zweck: Nach mehr als 30 Jahren der Verbreitung von Techniken und theoretischen Konzepten moderner Hypnose und Hypnotherapie war es interessant, etwas über deren konkrete Anwendung in der psychotherapeutischen, ärztlichen und zahnärztlichen Praxis zu erfahren, wobei vor allem auch die Anwendung direkter und indirekter Techniken untersucht werden sollte. Hierzu wurden die Arbeitsprofile von 203 Anwendern von Hypnose und Hypnotherapie aus deutschsprachigen Hypnosegesellschaften untersucht. Es handelte sich dabei hauptsächlich um psychologische und ärztliche Psychotherapeuten, Ärzte und Zahnärzte. Methoden: Der eingesetzte Fragebogen mit insgesamt 70 Items umfasste Fragen zu soziodemographischen Merkmalen, zu ausbildungs- und hypnosebezogenen Daten sowie Fragen zur Verwendung von indirekten und direkten Techniken. In Bezug auf letztere interessierten besonders Anwendungshäufigkeit sowie Erfahrungen und Einstellungen, die die Anwendungshäufigkeit und den Anwendungserfolg beeinflussen.

Ergebnisse: Hypnose wird von den Teilnehmern der Studie insgesamt sehr häufig eingesetzt, wobei viele der Teilnehmer ihre Arbeit gebietsübergreifend sehen. Jeweils ca. 43 % der Befragten benutzen dabei ihren Klienten gegenüber explizit das Wort Hypnose bzw. tun dies nicht. Etwa 90 % der Befragten schätzen sich selber als mittel bis hoch hypnotisierbar ein. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass überwiegend indirekte und vergleichsweise wenig direkte Techniken eingesetzt werden. Etwa 30 % geben an, die direkten Techniken nicht ausreichend zu beherrschen; Faktoren wie Sicherheit und Wohlbefinden, Angst vor Fehlern und Manipulation, eigene Erfahrungen, Überzeugung bzgl. der Vorteile sowie Erfolgserlebnisse beeinflussen die Anwendung direkter Techniken.

Schlussfolgerungen: Die Faktoren erworbene Kompetenz durch fundierte Ausbildung und gute persönliche Erfahrungen scheinen im Sinne einer Steigerung der professionellen Selbstwirksamkeit für den Einsatz direkter Techniken von zentraler Bedeutung. Limitationen der Studie und mögliche Implikationen für die Ausbildung in Hypnose und Hypnotherapie werden diskutiert.

Schlüsselworte: Hypnoseanwender, Hypnotherapeuten, Psychotherapeuten, Ärzte, Zahnärzte, Hypnose, Hypnotherapie, Arbeitsprofil, indirekte Techniken, direkte Techniken

Burkhard Peter, Christina Bose, Christoph Piesbergen, Maria Hagl, und Dirk Revenstorf

Persönlichkeitsprofile deutschsprachiger Anwender von Hypnose und Hypnotherapie
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 31-59

Zweck: Psychotherapieforschung beschäftigt sich in der Regel mit der Effektivität eines therapeutischen Verfahrens. Selten wurden Therapeutenvariablen untersucht. Zum Persönlichkeitsprofil von Therapeuten liegt noch keine Untersuchung vor. Darstellung: In einer Pilotstudie wurden die Persönlichkeitsprofile von 203 Anwendern von Hypnose und Hypnotherapie aus deutschsprachigen Hypnosegesellschaften untersucht. Es handelte sich dabei hauptsächlich um psychologische und ärztliche Psychotherapeuten, Ärzte und Zahnärzte.

Methoden: Zur Erfassung der Persönlichkeitsstile wurde das Persönlichkeits-Stil- und Störungs-Inventar (PSSI) verwendet, das auf 14 Subskalen die relative Ausprägung von Persönlichkeitsstilen bzw. deren nicht-pathologische Ausprägungen erfasst. Ergebnisse: Mittlere bis starke, jedoch klinisch nicht auffällige Effekte zeigten sich im Vergleich zu den Werten der Normstichprobe auf neun der 14 Subskalen: unterdurchschnittliche Ausprägungen im eigenwillig-paranoiden (PN), zurückhaltend-schizoiden (SZ), spontan-Borderline (BL), selbstkritisch-selbstunsicheren (SU), loyal-abhängigen (AB), kritisch-negativistischen (NT), still-depressiven (DP) und im hilfsbereit-selbstlosen (SL) Stil sowie überdurchschnittliche Ausprägung im liebenswürdig-histrionischen (HI) Stil. Vergleiche zwischen den Berufsgruppen erbrachten signifikante Unterschiede auf fünf Subskalen: ahnungsvoll-schizotyp (ST), spontan-Borderline (BL), loyal-abhängig (AB), sorgfältig­zwanghaft (ZW) und hilfsbereit-selbstlos (SL), wobei sich vor allem die Zahnärzte und die psychologischen Psychotherapeuten voneinander unterscheiden. Vergleiche von Anwendern direkter und indirekter Hypnose-Techniken erbrachten keine bedeutsamen Unterschiede hinsichtlich des Persönlichkeitsstils.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse können dahingehend interpretiert werden, dass die Anwender von Hypnose und Hypnotherapie fähig sind, (1) mit Patienten eine wertschätzende und vertrauensvolle therapeutische Beziehung einzugehen und aufrechtzuerhalten; (2) auf den Ressourcen der Patienten aufzubauen; (3) aber auch aktiv lenkend einzugreifen, wenn es therapeutisch geboten ist. Auf Limitationen der Studie wird hingewiesen und weitere Untersuchungen werden nahegelegt.

Schlüsselworte: Hypnoseanwender, Hypnotherapeuten, Psychotherapeuten, Ärzte, Zahnärzte, Persönlichkeitsstil, Therapeutenvariablen, PSSI

Burkhard Peter, Maria Hagl, Alexandra Bazijan und Christoph Piesbergen

Hypnotische Suggestibilität und Bindung
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 61-80

Zweck: Es wurde schon häufig versucht, hypnotische Suggestibilität mit bestimmten Persönlichkeitseigenschaften in Verbindung zu bringen. Hierbei ergaben sich sowohl „positive“ wie „problematische“ Aspekte hypnotischer Suggestibilität. In einem Pilotprojekt wurde der Zusammenhang zwischen hypnotischer Suggestibilität und dem Bindungsstil von jungen Erwachsenen untersucht.

Methoden: Hierzu wurden die Beziehungseinstellungen von 117 Studenten und Studentinnen mit der deutschen Modifikation des Relationship Style Questionnaire (RSQ) erfasst und mit deren hypnotischen Suggestibilität, erhoben mit der Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility (HGSHS:A), in Zusammenhang gebracht. Ergebnisse: Dabei zeigten Teilnehmer mit eher unsicherem Bindungsstil höhere hypnotische Suggestibilität. Insbesondere zwei Skalen des RSQ korrelierten positiv mit hypnotischer Suggestibilität, nämlich die Skala “Angst vor Trennung” und die Skala “Fehlendes Vertrauen”.

Schlussfolgerungen: Damit würde hypnotische Suggestibilität nicht zu den „positiven“ sondern eher zu den „problematischen“ Aspekten menschlicher Eigenschaften gehören; ein Ergebnis, das weiter hinterfragt werden muss.

Schlüsselwörter: Hypnose, Suggestibilität, Bindungsstil, Relationship Style Questionnaire, RSQ

Melina Staudacher, Maria Hagl, Christoph Piesbergen und Burkhard Peter

Sind Hypnotisierbarkeit und Bindung doch unkorreliert? Bericht über einen Replikationsversuch
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 81-98

Ziel und Zweck: Bei der Suche nach Eigenschaften, welche mit hypnotischer Suggestibilität einhergehen, könnten vor dem Hintergrund von J. R. Hilgards Theorien zur Entwicklung der Hypnotisierbarkeit sowohl frühe aversive Bindungserfahrungen als auch die Fähigkeit zur vertrauensvollen Beziehungsaufnahme relevant sein. In einer ersten Pilotstudie fanden Peter, Hagl, Bazijan und Piesbergen (2011; 2012) bei Studierenden einen signifikanten Zusammenhang zwischen höherer hypnotischer Suggestibilität und unsicherem Bindungsstil. In der vorliegenden Arbeit sollte der gefundene Zusammenhang unter Berücksichtigung weiterer Moderatorvariablen bestätigt werden. Stichprobe und Methoden: 236 Studierende wurden u.a. hinsichtlich ihrer hypnotischen Suggestibilität (Harvard Group Scale of Hypnotic Susceptibility; HGSHS:A), ihrer Bindungseinstellungen (Relationship Style Questionnaire; RSQ) und ihrer Dissoziationsneigung (Dissociative Experiences Scale; DES) untersucht.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse weisen auf einen schwachen Zusammenhang zwischen Dissoziation und hypnotischer Suggestibilität hin, wie er in der Literatur z. T. beschrieben ist. Im Gegensatz zu Peter et al. (2011; 2012) stehen aber weder die berichteten Bindungseinstellungen, noch der daraus resultierende Bindungstyp mit der hypnotischen Suggestibilität in Beziehung. Auch in der Subgruppe der hochsuggestiblen Personen zeigt sich kein Zusammenhang zu den Bindungseinstellungen. Jedoch findet sich nach einem Mediansplit anhand der Dissoziationswerte in der hoch dissoziativen Teilgruppe signifikant mehr Zustimmung zur RSQ-Skala Fehlendes Vertrauen, als in der Gruppe der hoch Suggestiblen mit niedrigen Dissoziationswerten. Kontexteffekte oder Stichprobenunterschiede als mögliche Erklärung für den gescheiterten Replikationsversuch werden als eher unwahrscheinlich diskutiert. Zur weiteren Klärung sollte eine noch differenziertere Analyse möglicher Subtypen anhand der Moderatorvariablen erfolgen.

Schlüsselwörter: Hypnose, Hypnotisierbarkeit, hypnotische Suggestibilität, HGSHS:A, Bindung, Relationship Style Questionnaire, RSQ.

Burkhard Peter, Philipp Schiebler, Christoph Piesbergen und Maria Hagl

Elektromyographische Untersuchungen zur hypnotischen Armlevitation. Unterschiede zwischen willkürlichem Armheben und unwillkürlicher Armlevitation (Armlevitation 1)
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 99-124

Zweck: Ziel dieser explorativen Studie war es, die Technik der hypnotischen Armlevitation auf physiologischer und subjektiver Ebene zu untersuchen. Verglichen wurden drei Bedingungen von Muskelaktivität: unwillkürlich-ideomotorische Armlevitation in Hypnose; willkürliches Halten desselben Arms in gleicher Höhe ohne Hypnose; und Imagination der Hebung des Armes ohne Hypnose und ohne diese Bewegung tatsächlich auszuführen.

Methode: In einem Within-Subjekt-Design durchliefen 33 Vpn die drei jeweils dreiminütigen Bedingungen (unwillkürlich, willkürlich und imaginativ) in zufälliger Reihenfolge. Abgeleitet wurden die Aktivitäten von 6 Muskeln des rechten Arms und der rechten Schulter (Trapezius, Deltoideus, Extensor Digitorum Communis, Flexor Digitorum Profundus, Bizeps Brachii und Trizeps Brachii). Als abhängige Variablen wurde die elektrische Muskelaktivität mittels Elektromyographie (EMG) und die von den Vpn empfundene Anstrengung erhoben.

Resultate: Während der hypnotischen Armlevitation war die Gesamtmuskelaktivität im rechten Arm um 13% (p<.008), die Aktivität des Deltoideus um 27% (p<.001) niedriger als beim willkürlichen Halten des Armes ohne Hypnose. Die hypnotische Armlevitation wurde von den Probanden als weniger (p<.027) anstrengend empfunden. Ohne Hypnose korrelierte die subjektiv empfundene Anstrengung mit der gemessenen Muskelspannung (r=.31, p<.006), nicht jedoch in Hypnose (r=.08). Die durch nicht-hypnotische Imagination erzeugte Muskelaktivtät überstieg deutlich den Ruhetonus, blieb jedoch niedriger als in den anderen beiden Bedingungen (p<.001). Es konnte keine Korrelation zwischen der im Vortest erhobene Suggestibilität (HGSHS:A) und den Muskelaktivitäten gefunden werden. Schlußfolgerung: Mit der Technik der hypnotischen Armlevitation ist es möglich, die subjektiv empfundene Anstrengung sowie die Muskelaktivität im erhobenen Arm zu verringern. Unter Hypnose zeigt die subjektiv empfundene Anstrengung jedoch keinen Zusammenhang mehr mit der tatsächlichen Muskelaktivität.

Schlüsselwörter: Hypnose, Armlevitation, Willkürlichkeit, Unwillkürlichkeit, Imagination Muskelaktivität, Elektromyographie, Hypnotisierbarkeit

Björn Riegel

Aktuelle Befunde zur Wirksamkeit hypnotherapeutischer Raucherentwöhnung – Ein systematisches Literaturreview
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 125-138

Inhaltlicher Umfang: Hypnotherapie stellt für Raucher eine beliebte Entwöhnungsmethode dar, obwohl die Wirksamkeit noch nicht zufriedenstellend nachgewiesen ist. Das Review gibt einen Überblick über die jüngere Forschung zur hypnotherapeutischen Raucherentwöhnung.

Zeitrahmen der Veröffentlichungen: Der Artikel stellt die aktuelle Datenlage zur Effektivität der hypnotherapeutischen Raucherentwöhnung dar und ordnet die Publikationen von Januar 2000 bis April 2012 in das Stadienmodell der Psychotherapieforschung ein. Die Datenbank pubmed sowie deutsche Hypnosezeitschriften wurden systematisch durchsucht. Es wurden nur Studien in die Analyse eingeschlossen, die hypnotherapeutische Interventionen bei Rauchern zum Inhalt hatten.

Ergebnisse: Es wurden 16 Publikationen identifiziert. Neun davon waren Interventionsstudien, eine ist ein Review und die anderen sechs sind Metaanalysen. Mit Ausnahme von zwei Metaanalysen wird die Wirksamkeit der hypnotherapeutischen Raucherentwöhnung konsistent belegt. Keine der Interventionsstudien erfüllt jedoch die Kriterien für die wissenschaftliche Erforschung der Raucherentwöhnung (Russel-Standard). Nur zwei Publikationen gehören in die Kategorie der randomisierten kontrollierten Studien. Diskussion: Die aktuellen Forschungsergebnisse zur hypnotherapeutischen Raucherentwöhnung zeigen vielversprechende Ergebnisse, können aber den Kriterien hochwertiger Forschung meistens nicht gerecht werden. Weitere Forschung ist nötig, um die Effektivität hypnotherapeutischer Raucherentwöhnung sicher bestimmen zu können.

Schlüsselwörter: Raucherentwöhnung, Tabak, Sucht, Hypnotherapie, Hypnose

Björn Riegel und Sven Tönnies

Hypnotherapeutische Raucherentwöhnung in der ambulanten psychotherapeutischen Praxis: Eine Evaluationsstudie zur Wirksamkeit der SMOKEX-Methode
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 139-167

Zweck: Das regelmäßige Rauchen von Zigaretten ist eine der am weitesten verbreiteten Suchterkrankungen. Der anhaltende Konsum ist mit einer hohen Gesundheitsgefährdung verbunden. Daher ist es nötig, effektive und ökonomische Behandlungsangebote zur Raucherentwöhnung bereitzustellen. Aktuell stellen verhaltenstherapeutische Ansätze (CBT) in Kombination mit Nikotinersatztherapie die leitliniengerechte Behandlung dar. Aufgrund der heterogenen Datenlage und der geringen Zahl hochwertiger Studien wird Hypnotherapie derzeit noch nicht als alternative Behandlungsmethode empfohlen. Das Ziel der vorliegenden Studie besteht in der weiteren Erforschung der Effektivität hypnotherapeutischer Raucherentwöhnung.

Methoden: Das halb-standardisierte Programm zur Raucherentwöhnung SMOKEX wird in einem einarmigen, naturalistischen Design im Praxisalltag mit einer Stichprobengröße von 94 Rauchern evaluiert. Das primäre Outcome-Maß ist die Abstinenz nach 12 Monaten, erhoben nach international gängigen Standards der Tabakentwöhnungsforschung. Sekundäre Fragestellungen beziehen sich auf die Erhebung psychologischer Einflussvariablen auf den Erfolg.

Ergebnisse und Schlussfolgerungen: Die Abstinenzraten wurden gemäß dem Russel-Standard erhoben. Zum Ende der Behandlung waren 55,4% der Klienten rauchfrei. Zur Katamnese nach zwölf Monaten berichteten 32,9% der früheren Raucher kontinuierliche Abstinenz. Die Angaben wurden an einer Zufallsstichprobe mittels Kohlenmonoxid-Messung und Fremdanamnese validiert. Die Abstinenzquoten sind einer Nicht-Behandlung überlegen und mit denen herkömmlicher Methoden (CBT) sowie anderen hypnotherapeutischen Ansätzen vergleichbar. Die Prädiktorenanalyse ergab keine Prädiktoren hinsichtlich der Baselinevariablen, konnte aber zeigen, dass Veränderungen im Therapieverlauf (Ärger- und Stressverarbeitung) mit höherem Erfolg einhergehen. Auch die Qualität der therapeutischen Beziehung ist bei erfolgreichen Teilnehmern besser.

Schlüsselwörter: Raucherentwöhnung, Tabak, Sucht, Hypnotherapie, Hypnose, Smokex

Bernd Schick

„…wie wenn einer ständig schreiend antwortet.“ Zum Verhältnis von Hypnotherapie zu Allgemeiner Psychologie. Anlässlich Festschrift für Vladimir Gheorghiu, Hypnose-ZHH, 6(1+2), Oktober 2011. Ein Essay
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 169-178

These: Im Mittelpunkt des vorliegenden Essays steht die Frage nach dem systematischen Ort hypnotherapeutischer Intervention im Kontext der allgemeinen Psychologie. Darlegung der These: Vladimir Gheorghius Forschung zur Suggestibilität (Hypnose-ZHH, 6, 1+2) weisen eine methodologische Affinität zur Psychologie organismischer Informationsverarbeitung auf, wie sie die sogenannte Berliner Schule vertrat. Aus diesem Anlass wird der weitgehend unbekannt gebliebene Aufsatz ihres Gründers und, von 1962 bis 1990, Leiters Friedhart Klix „Über einige Zusammenhänge zwischen Allgemeiner Psychologie, Neurosenlehre und Psychotherapie“ vorgestellt.

Standpunkt des Autors: Die allgemein-psychologische Positionierung der Hypnotherapie und die ihr zugrundeliegenden unbewussten und unwillkürlichen Prozessvariablen werden zum einen in Abgrenzung zur deskriptiven Willkür psycho-analytischer Triebtheorien diskutiert und zum anderen wird gegen eine konstruktivistische Vereinnahmung des Werkes von Milton H. Erickson argumentiert.

Folgerungen: Verhaltensorientierung, Lösung von Entscheidungsblockaden, kognitive interaktionelle Transparenz versus ontologische Manipulation werden als vornehmliches Anliegen hypnotherapeutischer Intervention herausgestellt.

Schlüsselwörter: Hypnotherapie, Allgemeine Psychologie, Suggestion, Entscheidungsverhalten, Konstruktivismus

Stella Nkenke

Selbsthypnose bei komplexem regionalem Schmerzsyndrom (CRPS). Ein Fallbericht
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 179-186

Im vorgestellten Fall kam es bei der Autorin des Beitrages durch einen Sportunfall zu einer Trümmerfraktur des linken Unterarmes. Die beiläufig gemachte ärztliche Aussage “Diese Hand wird nie wieder!“ wurde von mir in meiner Rolle als Patientin als starke Negativsuggestion aufgenommen und belastete mich sehr. Andererseits fühlte ich mich dadurch aber später auch in meinem Genesungswillen motiviert. Starke Schmerzen, Bewegungseinschränkungen von Fingern und Handgelenk, ein Fremdheitsgefühl der betroffenen Extremität und weitere typische Symptome führten dazu, dass drei Monate nach dem Unfallereignis die Diagnose eines chronisch regionalen Schmerzsyndroms (CRPS) gestellt wurde. Durch Selbsthypnose konnte eine deutliche Linderung der Schmerzen erzielt werden. Auch andere selbsthypnotische Übungen wurden gezielt eingesetzt, um weitere Symptome des CRPS am linken Arm zusätzlich zu ergo- und physiotherapeutischen Bemühungen zu behandeln. Abgesehen von gering gradigen motorischen Einschränkungen des linken Handgelenks, die durch die Fraktur selbst bedingt sind, verschwanden die verschiedenen Symptome des CRPS acht Monate nach dem Unfall vollständig.

Der Fallbericht veranschaulicht, dass Selbsthypnose die üblichen therapeutischen Ansätze zur Behandlung eines CRPS effektiv ergänzen und den Heilungsverlauf beschleunigen kann.

Schlüsselwörter: Hypnose, Selbsthypnose, Negativsuggestion, chronisches regionales Schmerzsyndrom (CRPS), Morbus Sudeck

Ulrich Freund

Von der Kampfhypnose. Das Märchen „Die Stiefel von Büffelleder“ aus der Sammlung Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm, Ausgabe letzter Hand (KHM 199)
Hypnose-ZHH 2012, 7 (1+2), 187-198

Der Autor gibt vor dem Hintergrund hypnotischer Techniken eine Interpretation des Märchens „Die Stiefel von Büffelleder“ (KHM 199): Ein abgedankter Soldat vertritt ein starkes, furchtloses „Ich“. Eine Räuberbande steht für das „Es“ und ein König für das „Über-Ich“. Durch ein „blaues Wunder“ – so nennt der Soldat die hochautoritäre hypnotische Intervention – zwingt er die Räuber in eine kataleptische Starre, die es ermöglicht, sie festzunehmen. Die Technik dieser „Kampfhypnose“ wird beschrieben. Erst nach Rückkehr aus dem Walde des „Unbewussten“ in die Stadt kann der König seine institutionelle Macht wiedererlangen.

Schlüsselwörter: Hypnose, Kampfhypnose, Märchen, Grüder Grimm

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