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Band 20 (2025) – Quo vadis klinische Hypnose/Hypnotherapie?

Doppelheft 1+2, Oktober 2025, 197 Seiten

der Zeitschrift  Hypnose – Zeitschrift für Hypnose und Hypnotherapie  (Hypnose-ZHH)

 

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Inhaltsangabe und Abstracts

 

Hypnose-ZHH 2025, 20(1+2),1-12

Titelei und Vorwort

 

Hypnose-ZHH 2025, 20(1+2),5-12

Burkhard Peter

Quo vadis klinische Hypnose/Hypnotherapie (Vorwort)

 

Hypnose-ZHH 2025,20(1+2),13-26 

Silja Samerski 

Simulation statt Begegnung: Die Digitalisierung im Kopf und ihre Auswirkungen auf die Psychotherapie 

In der Psychotherapie ist heute die Begegnung von Therapeutin und Patientin nicht mehr selbstverständlich. Der Markt digitaler Anwendungen, die niedrigschwellige, ständig verfügbare Hilfen ohne Wartezeiten versprechen, wächst. Dieser Artikel untersucht, wie sich unsere Selbstverständlichkeiten durch digitale Selbsthilfeprogramme und Chatbots verändern und wie sich diese Veränderungen auf die therapeutische Beziehung auswirken. Wenn es vorstellbar ist, dass Maschinen Freunde und Gesprächspartner werden, inwieweit erscheint dann auch die psychotherapeutische Begegnung in einem anderen Licht? Ich möchte also die Frage aufwerfen, inwiefern die Digitalisierung die bisherigen Grundfesten der therapeutischen Beziehung erschüttert. 

 

Hypnose-ZHH 2025,20(1+2),27-51

Dirk Revenstorf, Martin Schipplick und Kirsti Camerer 

Ketamin-unterstützte Hypnotherapie

Die therapeutische Anwendung von Ketamin und anderen psychoaktiven Substanzen wird zunehmend beforscht; aber brauchen wir eine neue Therapie und warum Psychedelika? Ihre Verwendung könnte tatsächlich in mancher Hinsicht einen Durchbruch in der Psychotherapie bedeuten. Psychoaktive Substanzen lassen die Ichbezogenheit und die Bezugnahme auf gebahnte Bewertungen und gewohnte Glaubenssätze vorrübergehend in den Hintergrund treten. Sie ermöglichen auf diese Weise neue affektive und kognitive Verknüpfungen, die die Überwindung von therapieresistenten Depressionen und die Bewältigung von Traumata, Suchtmittelabusus und anderen gravierenden Störungen erleichtern. Es werden die theoreti- schen und neuronalen Grundlagen veränderter Bewusstseinszustände beschrieben sowie die offenbar transdiagnostisch salutogene Wirkung psychoaktiver Substanzen und speziell die bis- herigen Erfahrungen mit der Ketamin-augmentierten Hypnotherapie. 

 

Hypnose-ZHH 2025,20(1+2),53-82

Michael Lüdtke, Dirk Revenstorf, Frank Papenmeier, Ramona Täglich, Betti Schopp, Ann-Christine Ehlis 

Keine Angst vor „Hoch hinaus“. Eine Studie zur Untersuchung von Hypnoseeffekten auf die Höhenangst anhand einer VR-Höhenexposition 

Die Kombination von Hypnotherapie und Virtueller Realität (VR) ist ein neues Forschungsfeld im Bereich der Behandlungsmethoden für Höhenangst. Die Hypnotherapie ist bekannter- maßen bei Angststörungen wirksam (Valentine et al., 2019). Gleichzeitig gibt es Befunde, die zeigen, dass vorrangig Hochsuggestible von einer Hypnotherapie profitieren. In einer früheren Studie (Engelhardt & Leiner, 2018) konnte dagegen gezeigt werden, dass durch eine VR- Darstellung vornehmlich Niedrigsuggestible stärker von Hypnose profitieren können. Ziel vorliegender Studie war es, diesen differenziellen Effekt in Bezug auf Höhenangst zu untersuchen. Dazu wurde eine randomisierte Studie mit höhenängstlichen Probanden (N = 72) durchgeführt, die eine Tranceinduktion entweder rein auditiv oder zusätzlich visuell (als VR-Darbie- tung) erhielten. Die anschließende virtuelle Höhen-Exposition war für alle Probanden identisch. Während des Ablaufes der Intervention wurden Angstratings, Herzrate und neuronale Aktivität gemessen. Die Höhenangst (HIQ) wurde vor und direkt nach der Intervention sowie eine Woche später abgefragt. Die unterschiedliche Wirkung der beiden Induktions-Formen (auditiv und VR) bei verschiedenen Graden der Suggestibilität konnte für die Herzrate nach- gewiesen werden. Außerdem konnte ein Zusammenhang zwischen der Herzrate und der neu- ronalen Aktivität im Precuneus und im linken dorsolateralen präfrontalen Kortex gezeigt wer- den. Für die neuronale Aktivität wurde kein Interaktionseffekt von Darbietungsform und Suggestibilität gefunden werden. Ferner zeigte sich, dass alle Versuchsgruppen ihre Höhenangst unmittelbar und eine Woche nach der Intervention signifikant verbessern konnten, unabhängig von der Suggestibilität oder dem Trance-Medium. Die Ergebnisse unterstützen außer- dem tendenziell die Hypothese, dass besonders Niedrigsuggestible von einer VR-Darstellung profitieren. 

 

Hypnose-ZHH 2025,20(1+2),83-92 

Pia Puolakka 

Die virtuelle Reise des Geistes: Künstliche Intelligenz, Online-Hypnose und virtuelle Realität in der zeitgenössischen klinischen Praxis und Hypnotherapie 

Die Integration digitaler Technologien in die Psychotherapie und Hypnose verändert die therapeutische Praxis weltweit. Künstliche Intelligenz (KI), Online-Behandlungsmethoden und immersive Virtual-Reality-Umgebungen (VR) werden zunehmend als Ergänzung zur herkömmlichen Hypnose eingesetzt. Diese narrative Übersicht untersucht die historische Ent- wicklung und die aktuellen Anwendungen von KI, Teletherapie und VR in der klinischen Hypnose. KI-Tools, darunter Chatbots und personalisierte Skriptgeneratoren, werden als Mit- tel zur Verbesserung der therapeutischen Interaktion und Zugänglichkeit untersucht, während die Online-Hypnose hinsichtlich ihrer Wirksamkeit, Sicherheit und klinischen Anwendbarkeit bewertet wird. VR-Hypnose (VRH) wird als vielversprechende Methode zur Schmerzbehand- lung, Angstminderung und Rehabilitation analysiert, wobei Avatare neue Möglichkeiten für therapeutische Dialoge und Rollenspiele bieten. Ethische Überlegungen werden ausführlich diskutiert, darunter Fragen des Datenschutzes, der emotionalen Abhängigkeit von KI und der verschwommenen Grenzen zwischen Fantasie und Realität. Obwohl KI die subjektiven, unbewussten Prozesse, die die Hypnose ausmachen, nicht nachbilden kann, erweitern digitale Tools die therapeutische Reichweite, Personalisierung und Immersion erheblich. Der Beitrag kommt zu dem Schluss, dass die Zukunft der Hypnose in einem hybriden Modell liegt, in dem menschliches Fachwissen weiterhin im Mittelpunkt steht, während digitale Technologien als leistungsstarke Erweiterungen in Forschung, Praxis und klinischer Ausbildung dienen. 

 

Hypnose-ZHH 2025,20(1+2),93-117 

Maria Hagl 

Studien zur Wirksamkeit von klinischer Hypnose und Hypnotherapie im Jahr 2024 

Im Auftrag der Milton Erickson Gesellschaft für Klinische Hypnose e. V. erfolgt eine jähr- liche Übersicht zu randomisierten kontrollierten Studien (randomized controlled trials; RCTs) und Metaanalysen zur Wirksamkeit von klinischer Hypnose und Hypnotherapie. Per systema- tischer Literatursuche in den Datenbanken MEDLINE, APA PsycINFO und PSYNDEX wurden für das Jahr 2024 insgesamt fünfzehn neu in Zeitschriften mit Gutachtenverfahren publizierte RCTs gefunden, aus denen sich Schlüsse zur Wirksamkeit von Hypnose bei klinischen Stich- proben im kontrollierten Vergleich ziehen lassen, außerdem einer zur Kombination von Kognitiver Verhaltenstherapie (KVT) mit Hypnose. Weiterhin stehen dabei medizinische Indikatio- nen im Vordergrund, vor allem der Einsatz von Hypnose bei Eingriffen und außerdem bei chro- nischen Schmerzen. Dies spiegelt sich auch in den neu bei entsprechenden Registern angemeldeten RCTs wider. Die Wirksamkeit von Hypnose bei psychischen Beschwerden wird weitaus seltener evaluiert, im Jahr 2024 wurden jedoch einige wenige derartige RCTs publiziert, dar- unter auch eine groß angelegte Studie zur Evaluation von Hypnotherapie zur Raucherentwöhnung im Vergleich zu KVT, deren Ergebnisse nahelegen, dass Hypnotherapie ähnlich wirk- sam ist. Des Weiteren werden die Ergebnisse ausgewählter, methodisch hochwertiger Metaanalysen berichtet, die einmal mehr belegen, dass Hypnose bei Schmerzen in unterschiedli- chen klinischen Settings hilfreich ist. Der Schwerpunkt in der Diskussion liegt auf metho- denkritischen Überlegungen hinsichtlich des bisherigen Forschungsstandes und welche Verbesserungen hinsichtlich Design und Darstellung für RCTs zu klinischer Hypnose aktuell empfohlen werden. 

Hypnose-ZHH 2025,20(1+2),119-147 

 

Burkhard Peter 

Suggestibilität und Hypnotisierbarkeit: Messung 

Die wichtigsten Instrumente zur Bestimmung von Hypnotisierbarkeit werden beschrieben. Sie unterscheiden sich praktisch hinsichtlich Anwendungsdauer – von 20 Minuten bis über eine Stunde –, v.a. aber inhaltlich hinsichtlich dessen, was sie ausweislich ihrer einleitenden Induktion vorgeben zu messen: Imagination oder Hypnose. Die auf die Induktion folgenden Testaufgaben der meisten Skalen bestehen aus den gleichen oder ähnlichen motorischkinäs-thetischen, sensorisch-affektiven und kognitiven hypnotischen Phänomenen. Sinn und Zweck von Hypnotisierbarkeitstests wird diskutiert: Hypnotisierbarkeitsmessungen in experimentellen Untersuchungen sind selbstverständlich; in vielen klinischen Studien wird jedoch darauf verzichtet. Das ist zu bedauern, weil so nicht mehr nachgewiesen werden kann, welchen Einfluss Hypnose auf den Effekt der Intervention gehabt hat. Für die hypnotherapeutische Praxis wird eine situationsangemessene Testung vorgeschlagen, die in der Anwendung von hypnotischen Phänomenen besteht – was aber voraussetzt, dass man in der klinischen Praxis überhaupt versucht, hypnotische Tranceinduktionen und klassische hypnotische Rituale anzuwen- den, um den „Mehrwert“ zu nutzen, den unbewusste Ressourcen bieten. In einer Übersichtstabelle werden die Skalen nebeneinander gestellt, um sie besser vergleichen zu können. 

Inhalt 

- Wie können wir Suggestibilität und Hypnotisierbarkeit messen? 

Messung von Hypnose-Tiefe
Messung von „hypnotischer“ Imagination: Die Creative Imagination Scale (CIS)
Messung von Hypnotisierbarkeit I: Die Stanford Hypnotic Susceptibility Scales (SHSS) zur Einzeltestung
Messung von Hypnotisierbarkeit II: Die Harvard (HGSHS), Walterloo-Stanford (WSGC) und die Sussex-Waterloo Scales of Hypnotic Susceptibility (SWASH) zur Gruppentestung
Messung von Hypnotisierbarkeit III: Die Elkins Hypnotizability Scale (EHS) Messung von Hypnotisierbarkeit IV: Die kürzeren Skalen SHCS und HGSHS-5 

- Die einleitenden Hypnose-Induktionen
- Imagination oder Halluzination?
- Einfaches Testen der Hypnotisierbarkeit in der hypnotherapeutischen Praxis
- Phänomene von Identitäts-Delusionen
- Sinn und Zweck der Feststellung von Hypnotisierbarkeit 

 

Hypnose-ZHH 2025,20(1+2),149-173 

Ernil Hansen 

Die Bedeutung von Trance in der Medizin 

Trance und hypnotische Phänomene beruhen auf der grundsätzlichen Fähigkeit aller Men- schen, den Funktionsmodus zu ändern, insbesondere als Schutzreaktion im akuten Notfall. Sol- che Situationen bestehen bei einem Unfall, einem medizinischen Notfall, vor und bei Operationen, im Kreissaal und im Zahnarztstuhl. Die dabei eintretende Spontantrance mit erhöhter Aufmerksamkeit und Empfänglichkeit für Suggestionen stellt eine andere Voraussetzung dar als bei Hypnotherapie oder Patienten mit chronischer Erkrankung, weil sie keiner Suggestibilitätsvortestung und formalen Hypnose-Induktion bedarf. Sie muss andererseits endlich in der Akutmedizin berücksichtigt werden. Der adäquate Umgang damit besteht im Erkennen und Vermeiden oder der Neutralisation von Negativsuggestionen, einer hypnosebasierten Therapeutischen Kommunikation, dem Ansprechen der Themen von grundsätzlicher Bedeutung und dem Aufbau und der Nutzung einer Therapeutischen Beziehung. Damit ergibt sich eine spezi- elle Anwendung von Hypnose in der Notfall- und Rettungsmedizin, vor und nach Operationen, während Operationen in Lokal- oder Regionalanästhesie und in der Intensivmedizin. Die hohe Wirksamkeit auch unter Allgemeinanästhesie und Hinweise auf die Wahrnehmung während Bewusstlosigkeit eröffnen neue Anwendungsgebiete bei Trauma, während Reanimation, während Operationen und im Koma. 

 

Hypnose-ZHH 2025,20(1+2),175-197

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